2016

     Neuigkeiten aus der Redaktion

Liebe Freundinnen und Freunde der KRACHKULTUR,

vermeldet werden kann das Thema unserer nächsten Ausgabe: NATUR. Sinnigerweise erscheint eine Nummer mit diesem Thema im Frühjahr, im Frühjahr 2017 also.

Was zu erwarten ist in KRACHKULTUR 18/2017, ist etwa dies: ein früher, bislang nicht auf Deutsch erschienener Essay von Ralph Waldo Emerson, dessen Name wie kaum ein anderer für das Thema NATUR einsteht (siehe »Natur«-Essay von 1836); bislang unveröffentlichte Naturskizzen aus dem Nachlass Heimito von Doderers (1896-1966), sicherlich eines der größten Genies der deutschen Sprache, dessen Prosa vor allem dank ihrer epiphonischen Beschreibungswucht brilliert; die »Eichhörnchensaga« von dem bekannten Biologen Josef H. Reichholf, der Gedanken über das spannungsreiche Verhältnis von roten und schwarzen Eichhörnchen gewohnt unterhaltsam darbietet.

Daneben ist Platz etwa für Lyrik, die den Beweis antritt, dass sie uns immer noch leuchtet, diese herrliche Natur … oder etwa nicht?

Krach kann so grün sein!

Eure KK-Redaktion

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Frauenkaserne« (Tereska Torrès, 1950)
Quelle: rororo (1986)

In den Regalen meiner Eltern befanden sich zwischen antiken Zoologie-Büchern, Goethe-Gesamtausgaben und Psycho-Ratgebern immer wieder auch jene besonders interessant aussehenden zerfledderten Taschenbücher mit reißerischen Titeln wie »The Happy Hooker«, oder eben auch Tereska Torrès‘»Frauenkaserne«. (Gibt es einen Fetisch für den säuerlichen Geruch vergilbter Buchseiten? Wenn nein, dann habe ich ihn wohl erfunden.) Der Inhalt von Xaviera Hollanders »The Happy Hooker« blieb mir auf dem damaligen Stand meiner Englischkenntnisse noch weitgehend im Dunkeln (was jedoch den Reiz keineswegs minderte und durchaus genug Raum ließ für fantasievolle Eigeninterpretationen). »Frauenkaserne« hingegen fand ich in einer deutschen Übersetzung von 1960 ...

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Kokain« (Pitigrilli, 1921)
Quelle: Matthes & Seitz (1979)

Alle Frauen sind Huren, nur nicht deine Mutter und deine derzeitige Freundin. Als ich diesen hier aus dem Gedächtnis zitierten Satz 1979 las – bei Pitigrilli, dem mir damals noch völlig unbekannten italienischen Autor, den Matthes & Seitz gerade mit zwei Publikationen gewürdigt hatte – konnte man nicht ahnen, dass ein algerischer Journalist namens Kamel Daoud fast vierzig Jahre später (am 18. Februar 2016) in der Süddeutschen Zeitung darauf Bezug nehmen würde, als er über jene Spielart des Islamismus schrieb, die er »pornographisch« nennt: »Ich will eine Frau kennenlernen, aber ich will nicht, dass meine Schwester die Liebe mit einem Mann kennenlernt. «

Dino Segre, wie Pitigrilli mit bürgerlichem Namen hieß, wusste um die unausrottbare Bigotterie der menschlichen Gemeinschaft – immerhin war er bei Dominikanern zur Schule gegangen ...

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Der Wehrwolf« (Hermann Löns, 1910)
Quelle: Heyne (1976)

Hermann Löns' »Der Wehrwolf« liegt bei mir nicht in der untersten Schublade, sondern auf dem obersten Regalbrett im Wohnzimmer, wo niemand ohne Leiter drankommt. Da fristet das Buch ein weitgehend unbeachtetes Schattendasein. Zu den wenigen Freunden zählen Walter Flex' »Wanderer zwischen beiden Welten« und Ernst Jüngers »In Stahlgewittern«.

»Der Wehrwolf« ist also ein schwieriges Buch ...